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Zum 100. Geburtstag: Fritz-Hüser-Institut arbeitet Nachlass des Bergmanns und Autors Josef Büscher auf

Am Samstag, 10. März wäre der Bergmann und Autor Josef Büscher (1918-1983) 100 Jahre alt geworden. In der Arbeiterliteratur des Ruhrgebiets hat Büscher eine große Rolle gespielt. Das Dortmunder Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt und das Gelsenkirchener Institut für Stadtgeschichte haben vereinbart, den in Gelsenkirchen liegenden Nachlass des Autors nun aufzuarbeiten und zu verzeichnen, damit auch er auch der Forschung besser zugänglich gemacht werden kann.

Mit seinem bekanntesten Buch „Zwischen Tackenberg und Rothebusch“, 1978 im Asso-Verlag in Oberhausen erschienen, setzte Josef Büscher dem Alltag der ‚kleinen Leute‘ im Ruhrgebiet nach dem Ersten Weltkrieg ein Denkmal. Er erzählt darin aus seinem eigenen Leben als Kind einer Bergarbeiterfamilie in Oberhausen.

Obwohl das Geld in der großen Familie knapp war, schickten ihn die Eltern aufs Gymnasium. Nach Abitur und Wehrdienst war er beim Oberbergamt als „Bergbaubeflissener“ eingetragen, konnte das Studium aber wegen des Kriegsausbruchs nicht mehr aufnehmen. Nach 1945 fehlten ihm als Familienvater dann die Mittel dafür. Er arbeitete als Hauer auf den Zechen Jacobi in Oberhausen und Nordstern in Gelsenkirchen, ehe er als kaufmännischer Angestellter in die Zechenverwaltung wechselte.

Bereits 1945 begann er zu schreiben und schloss sich dem Autorenkreis Ruhrmark in Hagen und der Dortmunder Gruppe 61an. Schreibend unterstützte er den Kampf gegen Ausbeutung und Entrechtung. Nicht nur die eigene literarische Entwicklung war ihm wichtig, sein Ziel war auch, andere Arbeiter zum Schreiben anzuleiten. Sie sollten über ihr Leben in Arbeit und Alltag authentisch berichten können.

In der Volkshochschule in Gelsenkirchen gründete er eine Schreibschule – eine damals innovative Idee. Die Dortmunder Gruppe 61 verließ er jedoch, weil er deren Anspruch, sich literarisch-künstlerisch mit der industriellen Arbeitswelt auseinanderzusetzen, nicht teilte. Die Absicht des „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“ war es, die Arbeitenden zu gesellschaftskritischer und sozial verbindlicher Literatur anzuleiten – so hieß es im Programm des Werkkreises. Dies kam Büschers Vorstellungen mehr entgegen. Er arbeitete in den 1970er Jahren in der Werkstatt Gelsenkirchen mit und gründete die Literarische Werkstatt Marl.

Nach längerer Krankheit starb er mit 65 Jahren in Gelsenkirchen. Für die Literatur der Ruhrregion bleibt er als Autor, der für die Demokratisierung von Gesellschaft und Literatur eintrat, in Erinnerung.

Anbei ein Gedicht von Josef Büscher:

Nachtdienst

Maschinentakt. Ein Scherbenton, hell

Im Halter der Stunden.

Augenschlaf immer zur Unzeit.

Die Netzhaut verhornt

Bei aufgerissenen Lidern.

Das Unbewußtsein schwimmt

Auf Regenbogenfarben

Über das Dach der Fabrik

Hoch in Weltengestänge.

Nur die Ohren träumen Ton und Takt

Takt und Ton.

Nachricht vom 8.3.18 17:48

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Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 19. September 2018 BP

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